(Film-) Rezension: “Verblendung”

Vor kurzem habe ich eine Rezension zum Buch geschrieben, jetzt folgt der Film. Der Inhalt ist übrigens – weitestgehend – identisch. Was für eine Überraschung ;)

Also: Alles in allem war der Film akzeptabel. Sicherlich kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber auch nicht unterirdisch. Dazu muss man sagen, dass eine Buchverfilmung wohl keine sehr dankbare Aufgabe ist. Immerhin haben sich die Leser schon eigene Gedanken gemacht, haben eventuell schon Vorstellungen von den Orten und den Personen und richten dementsprechend ihre Erwartungen aus. Und grade die Personen sind (fast) alle anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Rühmliche Ausnahme ist Henrik Vanger, der Patriarch des Vanger-Konzerns.
Trotzdem ist es dem Regisseur grundsätzlich gelungen, einen annehmbaren – wenn auch etwas dunklen – Thriller zu inszenieren.
Dabei gab es jedoch etliche Kollateralschäden was die Buchvorlage angeht. Vieles lässt sich verschmerzen, einiges ist mir schlichtweg unverständlich. So zum Beispiel das erste Treffen zwischen Lisbeth und Blomkvist: Im Buch geht Mikael Blomkvist etwas dreist aber durchaus sympathisch vor, wodurch er Punkte bei Lisbeth sammelt. Im Film erpresst er Lisbeth dagegen ziemlich stumpf und stillos, es wundert mich ehrlich gesagt, dass sie darauf nicht – wie es sonst ihre Art ist – mit Gewalt oder gar Rache reagiert.

Solche Ungereimtheiten kommen im Film durchaus häufiger vor, was dazu führt, dass die Intentionen der Personen nicht immer klar verständlich sind. Das Verhältnis zwischen Mikael und Erika – der Chefredakteurin von Millenium – wird unter den Tisch fallen gelassen, obwohl sie für die Beziehung zwischen Mikael und Lisbeth immens wichtig ist. Die Wennerström-Affäre wird lieblos am Anfang und Ende des Films am Rande abgehandelt, obwohl sie eigentlich ganz entscheidend für Mikaels Tätigkeit bei Vanger ist. Und um das, was bei den Vangers passiert, wird auch kein großes Geheimnis gemacht. Sogar die Polizei wird ohne Probleme auf das Anwesen gerufen, was die Frage aufwirft, ob Henrik Vanger keine Angst vor Öffentlichkeit hat (Was bei einem Großkonzern und der Handlung eigentlich normal wäre).

Überhaupt: Mikael Blomkvist wirkt in dem Film etwas blass. Eigentlich haben ihn in dem Buch grade seine dynamische Art und sein unglaublicher fast schon naiver Idealismus sehr sympathisch gemacht. Das fällt in der Verfilmung leider ebenfalls weg.

Fazit: Leider kann ich den Film nicht vollständig losgelöst vom Buch betrachten. In Verbindung mit dem Buch würde ich ihm – bei großzügiger Betrachtung – 2 von 5 Sternen geben. Für mehr reicht es auf Grund der vielen zum Teil schlichtweg unnötigen Abweichungen leider nicht. Wenn man den Film unabhängig vom Buch sieht dürfte es dagegen besser aussehen, 3 Sterne wären dann wohl drin.
Den Film kann man also anschauen – wenn man es nicht tut verpasst man aber auch nichts.

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