Ich habe den Blog in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Weihnachten, Uni und die von meinem Bruder geliehene Wii sind aber gute Ausreden denke ich
Heute melde ich mich jedenfalls mit einem Beitrag zum sogenannten “Kölner Aufruf” zurück. Der liegt zwar schon anderthalb Monate zurück, dieses Pamphlet sollte aber jeder lesen, der wissen will, wie wunderbar wissenschaftlich irgendwelche selbsternannten “Medienexperten” formulieren können, wenn es um neue Medien geht. Und wer jetzt denkt: “Da hat doch der Christian Pfeiffer seine Hände im Spiel…”: Stimmt. Der gehört zu den Erstunterzeichnern (Auch wenn ich abschweife: Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie so jemand als Professor lehren darf; Was hat der an der Uni unterrichtet? Propaganda für Fortgeschrittene? Wie brülle ich meinen Gegner mit Todschlagargumenten nieder? Unwissenschaftliches Arbeiten lernen in einem Semester?).
Wie auch immer: Der Text ist großartig zu lesen und teilweise unfreiwillig komisch. Meine Lieblingsstelle:
“[...] Kritik an Computerspielen wird als “unwissenschaftlich” diffamiert. Tatsächlich gibt es aber keinen sogenannten “Wissenschaftsstreit”: Über 3500 empirische Untersuchungen belegen den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mediengewalt und gesteigerter Aggressivität.
Wissenschaftler, die dies leugnen, machen sich zu Komplizen und sind Profiteure des militärisch-industriell-medialen Komplexes, denn deren Institute erhalten umfangreiche finanzielle Unterstützung der Games-Industrie.
[...]
Auch die Politik macht sich zum Handlanger dieser Interessen: Derzeit laufen Beschlussanträge im Bundestag, die Computerspiele zum “Kulturgut” erklären wollen. Gelten Gewaltspiele als “Kunst”, kann damit aber der Jugendschutz ausgehebelt werden. [...]“
Vor allem der erste Absatz ist genial. Erst wird behauptet, es gäbe keinen Streit unter den Wissenschaftlern. Dann werden die Wissenschaftler diffamiert, die sich offensichtlich doch gegen diesen Zusammenhang aussprechen. Und schließlich wird eine Art Verschwörungstheorie konstruiert, nach der gewalthaltige Computerspiele zu einem ominösen “militärisch-industriell-medialen Komplex” gehören.
Damit nicht genug: Die Aussage, es liefen Anträge im Bundestag, Computerspiele als “Kunst” zu behandeln suggeriert, dass der Bundestag maßgeblichen Einfluss auf die Kunstdefinition hat. Was Kunst ist und was nicht definiert im Zweifel aber nicht der Bundestag, sondern das Bundesverfassungsgericht aus der Verfassung heraus. Einzige Ausnahme: Der Bundestag ändert das Grundgesetz in der Weise, dass es Computerspiele als Kunst im Sinne des Art. 5 GG ausdrücklich ausschließt.
Und um zum Titel zu kommen: Einige der Initiatoren haben kurz danach eine 16-Punkte-Resolution entworfen. Eine der Forderungen:
“[...] Sendungen, Filme, Videos, PC-Spiele, die nachweislich die Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen, dürfen aus ethischen Gründen weder
produziert noch eingekauft, verkauft oder ausgestrahlt werden. [...]“
Womit man wieder beim Thema wäre. Auf die “Nachweise” bin ich gespannt. Wenn diese so aussehen wie die bisherigen Nachweise bedeutet das: “Der Herr Pfeiffer sagt doch, dass es schlecht ist. Er beruft sich auf nicht-öffentliche Studien. Damit ist eindeutig klargestellt, dass Computerspiele böse sind.”
Abgesehen davon bekäme man hier ein verfassungsrechtliches Problem: Das Kaufverbot für Erwachsene dürfte juristisch problematisch werden…
Dreimal darft du raten, was Pfeiffer studiert hat. Jura natürlich.