Vor kurzem habe ich eine Werbung auf RTL2 gesehen. Eine ganz besondere Fernsehshow feiert bald ihren zehnten Geburtstag. Die Rede ist – natürlich – von Big Brother.
Ich gebe zu: Die erste Staffel habe ich sogar verfolgt. Wie das eben immer so ist: Die voyeuristischen Triebe des Durchschnitts-TV-Konsumenten trieben mich dazu. Eine neue Sendung, hoher Werbeaufwand: Man könnte ja etwas verpassen. Hinzu kamen dann die Gespräche in der Schule: In der zehnten Klasse ist vieles interessanter als Mathe. Erst recht, wenn man einiges bis zum erbrechen durchspricht, weil ein paar Leute es immer noch nicht verstanden haben. Oder wenn wieder einmal Übungsaufgaben anstehen, die sich “nebenher” lösen lassen. Also wurde in unserer Ecke eben über Big Brother gesprochen.
Was soll ich sagen? Das Niveau hat sich seit der ersten Sendung – nach dem, was man so mitbekommt – scheinbar nicht spürbar gehoben. Wer sich über 100 Tage rund um die Uhr von Fernsehkameras filmen lässt und zwischendurch fragt, wer denn dieser ominöse “Shakespeare” überhaupt war gehört mit Sicherheit auch nicht zur intellektuellen Oberschicht. Und ob man von solchen Leuten noch hohe berufliche Ambitionen erwarten kann, lasse ich mal dahingestellt. Vielleicht wenn man D-Promi ist und dringend ins Fernsehen muss, um überhaupt mal irgendwo erwähnt zu werden. Es ist also kein Wunder, dass “Big Brother” nicht grade der Gipfel des Bildungsfernsehens ist.
Es stellt sich dafür eine ganz andere Frage: Woher bekommt die Sendung auch nach 10 Staffeln immer noch Zuschauer? Auch wenn die Regeln immer wieder angepasst werden: Im Prinzip ist es doch immer dasselbe. Die Teilnehmer werden so gecastet, dass möglichst viel Streit entsteht und der Fernsehzuschauer darf in den Zusammenfassungen sehen, wer wieder etwas dummes gemacht hat. Spannend! Irgendwann fällt doch eigentlich auch dem letzten Zuschauer auf: “Das habe ich schon zweimal gesehen, es wird irgendwie nicht besser…”.
Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, wo ein hoch investigativer Journalist dieses Phänomen in einer Qualitätssendung aufgreift und untersucht: Aiman Abdallah, wäre das nicht etwas für Galileo Mystery?